Historische Dampfwalze beim Karren ausgestellt

12.10.2017: Vor mehr als hundert Jahren waren die Straßen von Dornbirn noch kaum befestigt, und nur schwer zu passieren. Um die Straßen zu seinen Fabriken zu verbessern, brachte der Unternehmer Viktor Hämmerle im Jahr 1895 die erste Dampfwalze Vorarlbergs aus England nach Dornbirn.

Bei der Eröffnung des neuen Schauraums: Klaus Fessler, Bürgermeisterin Andrea Kaufmann, Michael Geiger, Adolf Gstöhl, Vizebürgereister Martin Ruepp, Stadtrat Gebhard Greber, Fritz Schneider

Dieses Foto von Johann Wohlgenannt zeigt die Dampfwalze in den 1930er Jahren im Dreiangel Richtung Schwanen. Am Emblem, einem „prancing horse“, und dem Firmenmotto INVICTA ist die englische Firma Aveling & Porter aus Rochester zu erkennen. Sie war der führende englische Hersteller von dampfbetriebenen Straßenwalzen, außerdem stellte sie Zugmaschinen und Traktoren her. Original: Stadtarchiv Dornbirn, Schenkung Elmar Wohlgenannt Sign. 19294

Im Jahr 1929 stellte die Stadt ein nahezu baugleiches Nachfolgemodell, das bei der Lokomotivenfabrik J.A. Maffei in München erzeugt wurde, in Dienst. „Dieses historische Arbeitsgerät gibt es nach wie vor; die mit Dampfkraft betriebene Walze wurde in den vergangenen Jahren von engagierten Pensionisten liebevoll restauriert,“ bedankt sich Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann bei den ehrenamtlichen Restauratoren.

Als bedeutender Zeugin der Dornbirner Geschichte wurde der Dampfwalze neben der Talstation der Karrenseilbahn nun eine neue gläserene Behausung zur Verfügung gestellt, in der das Unikat bewundert werden kann. Mit ihren bald 90 Jahren hat die Dreirad-Dampfwalze „Maffei“ aus dem Jahre 1928 eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Ihre Vorgängerin, die Dampfwalze der Marke „Aveling & Porter“, hatte Fabrikant Viktor Hämmerle 1895 aus England herangeschafft. Sie war die erste Dampfwalze Vorarlbergs. Als sie ausgedient hatte, beschaffte sich der städtische Bauhof 1929 ein nahezu baugleiches Nachfolgemodell, das inzwischen bei der Lokomotivenfabrik J.A. Maffei in München erzeugt wurde. Diese Walze mit Baujahr 1928 und 13,5 Tonnen Gewicht unterscheidet sich von der alten Engländerin in Bauprinzip und Technik kaum, nur waren einige Teile verbessert worden.

Obwohl es seit 1910 Dieselmotorwalzen gab, hatte die alte Dampfwalze viele Vorteile: den wirtschaftlicheren Betrieb, das hohe Gewicht und durch die einfache Bauweise eine um 20 Jahre längere Lebensdauer als die Motorwalzen. Nach der erfolgreichen Probefahrt nach Watzenegg hinauf versah sie über 30 Jahre lang ihren Dienst im städtischen Straßenbau, sogar noch, als man um 1960 mit der Asphaltierung der Straßen begann. Legendär und stadtbekannt als Maschinist und Fahrer war vor allem Alois Spiegel, genannt „Walzo-Wise“. Das lange Schattendasein der Walze nach ihrer Ausmusterung Aber Mitte der Sechzigerjahre wurde auch diese Dampfwalze außer Dienst gestellt, zum Glück aber nicht verschrottet. Beim Bauhof versperrte sie zunächst viel Platz und so stellte man sie beim Achdamm an die Schmelzhütterstraße, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt war. Leider „verschwanden“ damals nicht nur die Messingschilder, sondern auch einige Funktionsteile.

Ende der Achtzigerjahre bemühte sich Baumaschinenhändler Anton Stauss um eine Restaurierung, er ließ sie fachgerecht lackieren und stellte sie vorübergehend im Foyer seines Bürogebäudes auf. Endgültig aus der Hand geben wollte sie die Stadt jedoch nicht, denn 1991 dachte man an eine öffentliche Aufstellung. Allerdings verbrachte die Maschine weitere 25 Jahre in einem Holzstadel bei der Karrenseilbahnstation, bevor sie nun endgültig aus der Dunkelheit hervorgeholt wird. Ehrenvoller Ausstellungsplatz bei der Karrenbahn Die Suche nach einem geeigneten Aufstellungsplatz war nicht einfach, Schließlich konnte in Nachbarschaft zur Karrenstation ein idealer Platz gefunden werden, der von Besuchern stark frequentiert wird. Der voll verglaste und nachts beleuchtete Schauraum zeigt die Maschine nun in imposanter Größe, aber auch mit ihren liebevollen technischen Details.

Dank für die Erhaltung gebührt im Falle dieser Maschine den zahlreichen Mitarbeitern des Bauhofes, den früheren Straßenmeistern Hilbe und Schneider, aber auch Herrn Anton Stauss. Vor allem verdient aber „Mechanikus“ und Betreuer Adolf Gstöhl, der unermüdliche Betreiber für den neuen Schauraum, höchste Anerkennung. Dampfwalze als Teil des Industriegeschichte-Pfads Die letzten Jahrzehnte ist es dank Adolf Gstöhl, Walter Bröll, Roman Amann und Klaus Fessler als ehrenamtlichen Betreuern gelungen, entlang der Dornbirner Ache und des Müllerbachs einige technische Relikte aus dem Industriezeitalter zu restaurieren und öffentlich auszustellen, wie das Kraftwerk Forach, die Dampfmaschine Kuhn 100 an der Schmelzhütterstraße oder die Maschinen im inatura-Gelände. Eine Meile mit technischen Industriedenkmalen ist hier also in Entstehung begriffen, nach dem Konzept eines Industrielehrpfades, eine Art „lebendiges Geschichtsbuch“. Geschützt vor Wind und Wetter und gut beleuchtet, ist nun die alte Dampfwalze der breiten Öffentlichkeit zugänglich.Das rundum verglaste Bauwerk erfüllt alle Anforderungen einer zeitgerechten Zurschaustellung. An eine Restaurierung des Dampfkessels und eine Fahrbarmachung der Walze ist gedacht, das wird jedoch noch weitere Arbeit, Mühe und Geldmittel erfordern.