Theater im Kulturhaus Dornbirn

25.04.2017: "Käthe Hermann" von Anne Lepper - Premiere 3. Mai 2017

Das „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“ macht Theater im Dornbirner Kulturhaus. Drei junge Schauspieler haben Dornbirn als neue Spielstädte entdeckt und präsentieren ab Mittwoch, dem 3. Mai ihre neue Produktion „Käthe Hermann.“ Weitere Termine für Vorstellungen sind am 4.5.6.7 und am 9. Mai.

Käthe Hermann lebt mit ihrer Tochter Irmi und dem gelähmten Sohn Martin zusammen und weiß sich und die Familie zu beschäftigen. Sie sieht sich als Bühnenkünstlerin, als Tänzerin. Weil sie von Hans, ihrem verstorbenen Mann, zweimal geschwängert und gleich anschließend verwitwet wurde, brachte ihr Talent weder Ruhm noch Geld. Nun, da die Brut bereits ergraut, ist sie an der Reihe. So muß das Wohnzimmer allabendlich als Bühne, müssen ihre Kinder als Techniker und vor allem als Publikum dienen. Irmi und Martin müssen die Mutter nicht nur umjubeln, sie sollen genau darin auch ihr eigenes Glück finden. Denn Käthe Hermann, die gute Mutter, will, dass die Familie glücklich ist. Überhaupt: Der Käthe stellt sich niemand in den Weg. Weder die widerborstige Tochter, noch der verkrüppelte Sohn. Und erst recht nicht die Bagger, die das Haus abreißen sollen. Zwangsumsiedlung kommt nicht in Frage. Im Gegenteil, jetzt wird renoviert.

Käthe Hermann zeigt, wie die Mitglieder einer Familie Illusionen über die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft produzieren, um sich als gesellschaftlich handlungsfähige Individuen und als wertvolle Mitglieder einer Gemeinschaft sehen zu können. Und es zeigt den Wahn, der entsteht, wenn diese Illusionsproduktion durch die gesellschaftlichen Bedingungen bedroht wird. Sprachlich kunstvoll verknappt und doch reich an Weltbezügen und Subtexten entwickelt Lepper aus der kleinen Zelle das Porträt einer Gesellschaft des Selbstbetrugs. Oder anderes gesagt psychologisches Verständnis paart sich hier mit einer Freude an literarischen Übertreibungen ins Surreale. Leppers Figuren sind so störrisch eigensinnig, weltfremd, so bösartig und so absonderlich, dass man sich im besten Sinn an Thomas Bernhards geistige und physische Krüppel bzw. an Samuel Beckets metaphysische Clowns erinnert fühlt. Drei schräge Figuren reichen vollständig aus, um die ganze verkleidete Eigensucht auszumalen, mit der die Quoten-Medien die TV- Psychen ständig vollstopfen. Und so endet dieses Stück auch in einer großen mütterlichen Phantasie von Massensuggestion durch eine Fernsehübertragung ihres „Ideal-Lebens“ in die ganze Welt, während die Tochter stirbt. Bizarr, verrückt, und doch so wahr.

Regie Stephan Kasimir
Ausstattung Caro Stark
Licht Othmar Gerster
Produktionsleitung Lisa Weiss
Plakat Marlies Stark
Darsteller Barbara Bauer, Jens Ole Schmieder und Johanna Tomek