Autor:

Werner Matt

Haus der Jungen Arbeiter

Punkt 2: Kaplan-Bonetti-Wohnhaus Steiermark und Kärnten 

„Bei uns daham in Kärnten hast nur Steine klopfen können“

Ende der 1950er Jahre wurde das „Haus der Jungen Arbeiter“ fertiggestellt. Kaplan Emil Bonetti, der das Projekt von Dr. Edwin Fasching übernommen hatte, wollte ein „Arbeiterhotel“ führen. 140 junge Arbeiter erhielten Wohnung und volle Verpflegung. Es wurde gewaschen und gebügelt, zwei Clubräume dienten der Unterhaltung. Notwendig war das Haus, weil die boomende Wirtschaft, insbesondere die Textilindustrie, dringend Arbeitskräfte suchte. Natürlich waren die Geschlechter streng getrennt. Ein eigenes Mädchenheim wurde beispielsweise von der Firma F.M. Hämmerle im Oberdorf betrieben. Eine richtige Einwanderungswelle aus Innerösterreich kam nach Dornbirn, davon fast zwei Drittel aus den Bundesländern Steiermark, Tirol und Kärnten. 1966 waren von allen Einwohnerinnen und Einwohnern Dornbirns nur auch in Dornbirn geboren, 17,5 % hatten ihren Geburtsort in Vorarlberg, 15,1 % im übrigen Österreich und 14,8 % im Ausland.

Volker Gasser

Volker Gasser, geboren 1943, kam 1960 von Lavamünd in Kärnten nach Vorarlberg. Angeworben durch einen Kollegen, die er dafür eine Art Kopfprämie erhielt, fühlte sich Gasser lange wie ein Mensch zweiter Klasse... Dies änderte sich mit der Zuwanderung von Spaniern, Türken und Jugoslawen. Er kam mit 17 Jahren ganz allein nach Vorarlberg und wohnte anschließend im Haus der jungen Arbeiter. Damals waren drei Betten in einem Zimmer. Er blieb dort rund ein Jahr. Herr Gasser erinnert sich noch, wie sie halfen, Kaplan Bonetti das Haus in Stand zu halten. Jeden Samstagabend ging man aus, allerdings mussten alle um 22.00 Uhr wieder im Heim sein. In Vorarlberg absolvierte er die Meisterprüfung, heiratete eine Vorarlbergerin. Anfangs hatten die Schwiegereltern Probleme mit einem „Ausländer“ als Schwiegersohn. Einmal im Jahr fährt er nach Kärnten. Für ihn war die Mitgliedschaft in den Kärntner Vereinen hier in Dornbirn wichtig. Heute noch bezeichnet er sich als Kärntner, seine Kinder als Vorarlberger.

Karoline Schönett

Frau Schönett, eine gebürtige Steirerin, kam bereits 1947 nach Dornbirn: „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass in Vorarlberg Leute gesucht werden. Darunter war auch die Firma Hämmerle in Dornbirn. Ich hab dann geschrieben . . . und war dann in drei Wochen heraußen.“ Sie arbeitete als Weberin und wohnte im „Mädchenheim“: „Im Heim waren damals überwiegend Russinnen und Ukrainerinnen . . . blieben aber nicht mehr so lange da, die sind dann ausgewandert. Und dann Steirerinnen, Kärntnerinnen und Tirolerinnen, alle haben beim Hämmerle gearbeitet. Anfangs waren wir zu acht in einem Zimmer, nach einem Monat bin ich in ein Fünf-Bett Zimmer gekommen und später in ein Zwei-Bett Zimmer. Es war sehr sauber.“ Das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zugewanderten beschreibt sie rückblickend folgendermaßen: „Ja, als wir nach Vorarlberg gekommen sind, da waren die Südtiroler nicht viel wert. Dann waren wir nicht viel wert. Und als nachher die Ausländer gekommen sind, sind wir immer mehr integriert worden.“

Foto: Tamer Barbaros

Blick in ein Zimmer des Mächenheims. Orig.Stadtarchiv Dornbirn

Literatur:

Hans Peter Martin. Nachtschicht: eine Betriebsreportage 1979, S.39 f. Werner Matt: Zuerst das Notwendige ... Dornbirn von 1945 bis 2000. In: Werner Matt, Hanno Platzgummer (Hrsg.): Geschichte der Stadt Dornbirn. Band 2, 2002, S. 287

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