War damals schon ein Luxus

Punkt 3: Kaplan-Bonetti-Wohnhaus Türkische Familien

Ein eigenes Zimmer im Kaplan-Bonetti-Heim war damals schon ein Luxus. Falls mal von anderen Zimmern oder auch von außerhalb Besuch kam, konnte das Einzelbett auch tagsüber zur Couch umfunktioniert werden. Ein kleiner Tisch vor dieser Bettcouch war Esstisch zugleich. Wenn in der Gemeinschaftsküche gekocht wurde, dann dauerte es manchmal ein bisschen länger, denn die Kochplatten waren begrenzt. Jedes Stockwerk hatte eine Sanitäranlage für die vielen Heimbewohner. Die kleine Wiese vor dem Haus war eine willkommene Abwechslung, insbesondere für die Kinder. Für Familien waren diese Zimmer nicht geeignet, da sie für einzelne Gastarbeiter gedacht waren, die irgendwann in ihr Heimatland zurückkehren wollten. Darum wurden viele Kinder im Vorhinein in den Dörfern zurückgelassen. Man hatte nicht genug Platz für alle und die langen Arbeitszeiten ließen keine Zeit für Kinder über. Es gab Familien, die ihre Kinder unter der Woche bei Pflegefamilien in Dornbirn unterbrachten, an den Wochenenden war man dann wieder zusammen. Mit den Jahren zogen die Gastarbeiter langsam aus und mieteten sich eigene Wohnungen.

Elmas Özcelik und Fatih Özcelik, 1980 Hintereingang Kaplan-Bonetti-Heim, Dornbirn Copyright Vielfaltenarchiv

Foto: Tamer Barbaros

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