Autor:

Werner Matt

Bei uns hießen die Sennen "Schweizer"

Punkt 7: Restaurant Rotes Haus

Das Rote Haus ist eines der prominentesten Wahrzeichen Dornbirns und steht für den Bürgerstolz dieses einst größten Dorfes der österreichisch-ungarischen Monarchie. Das linke Wappen am Giebel dieses 1639 erbauten Hauses zeigt eine Tanne. Sie steht für den Namen Michael Danner, der Überlieferung nach ein Einwanderer aus Appenzell. Damals gab es eine Wanderungsbewegung von der Schweiz nach Vorarlberg. In der Schweiz begann im 16. Jahrhundert die Hartkäserei, die nach dem 30 jährigen Krieg aus dem Appenzell nach Vorarlberg kam. Schweizer Sennen begannen in den Vorarlberger Alpen diese spezielle Fettkäserei einzuführen. Daher wurden die Sennen oft auch als „Schweizer“ bezeichnet. Manche Familiennamen wie Bischofberger, Manser, Broger oder Innauer erinnern noch daran, genauso wie der immer noch beliebte Vorarlberger Alpkäse. Berühmt geworden ist der „Staufenschweizer“ eine Sagengestalt aus den Dornbirner Bergen mit realem Hintergrund:

Die Sage vom Staufenschweizer

DER SCHWEIZER AUF DER STAUFENALPE

Der Staufenschweizer konnte mehr als andere Leute und noch heute erzählt man sich seltsame Geschichten von ihm.

Als die Franzosen ins Land kamen, wollten sie auch die Staufenalpe und den Berg besetzen. Wie sie nun hinaufkamen, war der Schweizer gerade dabei, einen Stadel aufzurichten. Mit Schrecken sahen sie, wie der starke Mann einen großen, schweren Balken über sein Knie legte und wie ein Rütchen entzweibrach. Angsterfüllt flohen die Franzosen und ließen sich auf der Staufenalpe nicht mehr sehen.

Der Bauer im Rudach hatte eine schöne Tochter, um die warb der Staufenschweizer, aber der Bauer wollte nichts davon wissen. Da meinte der Staufenschweizer: „Ihr werdet mir eure Tochter noch gerne geben!" und damit ging er. Als der Bauer am andern Morgen in den Stall kam, waren die Kühe zusammengebunden, fraßen nichts mehr und gaben nur noch rote Milch. Als man der Katze ein wenig von dieser Milch hinstellte, schoss eine Schlange aus dem Boden, dick wie ein Arm und lang wie ein Schaufelstiel. Sie plappte ein wenig Milch und zischelte: „Erlöst mich und schüttet mir Weihwasser in den Rachen!" Den Bauern dünkte es, die Schlange habe die gleiche Stimme, wie sein vor einigen Jahren verstorbener Großvater. Erschrocken sprang er ins Haus und erzählte, was geschehen. — Nach einigen Tagen kam der Staufenschweizer wieder und der Rudachbauer versprach ihm seine Tochter, wenn er ihn von den Geistern befreie. Der Staufenschweizer bannte die Geister und nahm die Tochter zur Frau.

Es war zur Zeit des Heuens. Die Wiese war gemäht und das Heu trocken zum einbringen. Vom Säntis zog ein schwarzes Wetter her und es war nicht mehr viel Zeit zu verlieren. Aber der Staufenschweizer lächelte nur, nahm eine Peitsche, fitzte über das Heu hin und das Heu hob sich, und flog, wie vom Winde getragen, in den Stadel und schichtete sich zum schönsten Stock

Foto: Tamer Barbaros

Im Giebelfeld des Roten Hauses ist links die Tanne als Wappen der Familie Danner, rechts der Löwe der Familie Rhomberg zu sehen. Original Stadtarchiv Dornbirn, Foto Günter König

Literatur:

Leo JUTZ: Vorarlbergisches Wörterbuch, 1960, S. 1100, Eintrag „Schweizer“. Franz KALB: Kühberg und Staufen. In Dornbirner Schriften, Beiträge zur Stadtkunde. Nr. 30, 2005, S. 139. Walter WEINZIRL, Sagen aus Dornbirn, Dornbirn 1968, S. 71

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