Autor:

Fatih Özçelik

Ich habe jede Woche Briefe geschrieben

Punkt 18: Post

Wir haben mehr Briefe geschrieben als telefoniert. Ich habe jede Woche Briefe geschrieben. Um mit meiner Frau telefonieren zu können, mussten wir vorher per Post einen Termin vereinbaren: Eine halbe Tagesreise entfernt vom Dorf war ein Hotel von unseren Bekannten. Dorthin habe ich dann von der Post aus bei ihr angerufen. Da kam es dann schon mal vor, dass wir über eine Stunde miteinander geredet haben. Telefonieren war damals eine kostspielige Angelegenheit, im Gegensatz zu heute. Ich telefoniere mittlerweile fast jeden Tag mit meiner Familie am Schwarzen Meer. Früher fragten wir oft nach, ob sie was benötigten. Wir schickten regelmäßig Geld, versteckt in einem Kuvert oder gaben es Freunden mit. Man schickte das Geld damals sehr selten in Schilling, sondern wechselte es gleich in Lira. Ich kann mich erinnern, dass ich damals für einen besseren Wechselkurs sogar mit meinem Mofa bis nach Liechtenstein gefahren bin. Für einen Schilling habe ich dann zwei Lira bekommen.

Foto: Tamer Barbaros

Rückseite: Mein Lieber Bruder Hüseyin, damit du uns in Erinnerung behältst, schicke ich dir das Foto von uns mit dem Traktor. Ich grüße und umarme dich (Übersetzung inhaltlich gemacht – der letzte Satz bedeutet wörtlich: ich küsse in Sehnsucht deine Augen)

Postkarte aus der Heimat, Vielfaltenarchiv

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